Migräne am Arbeitsplatz – Wenn der Schmerz unsichtbar bleibt

Migräne am Arbeitsplatz – Wenn der Schmerz unsichtbar bleibtEin pulsierender Schmerz durchzieht den Kopf, das Licht am Bildschirm blendet unerträglich, und jede Bewegung scheint die Übelkeit zu verstärken – doch du sitzt im Büro und versuchst, dir nichts anmerken zu lassen. Migräne ist weit mehr als ein „starker Kopfschmerz“ – sie kann den Körper regelrecht lahmlegen. Doch während ein gebrochenes Bein oder eine Grippe sichtbare Gründe für eine Arbeitsunfähigkeit sind, bleibt Migräne oft unsichtbar – und genau das macht sie für viele Betroffene zu einer zusätzlichen Belastung.

Gerade Frauen stehen am Arbeitsplatz häufig unter Druck, „funktionieren“ zu müssen, selbst wenn sie unter extremen Schmerzen leiden. Doch wie erklärt man Kollegen oder Vorgesetzten, dass eine Migräneattacke einen kompletten Arbeitstag unmöglich machen kann? Warum wird Migräne immer noch als Befindlichkeitsstörung abgetan, obwohl sie laut WHO zu den schwerwiegendsten neurologischen Erkrankungen zählt?

Das Problem: In unserer leistungsorientierten Gesellschaft werden unsichtbare Erkrankungen oft nicht ernst genommen. Frauen mit chronischer Migräne müssen sich nicht nur mit wiederkehrenden Schmerzattacken auseinandersetzen, sondern auch mit fehlendem Verständnis und dem schlechten Gewissen, wenn sie sich eine Pause nehmen müssen. Doch wie kann man sich am Arbeitsplatz besser schützen, ohne sich ständig rechtfertigen zu müssen?

Wer sich mit diesen Fragen beschäftigt, erkennt schnell: Migräne ist kein persönliches Versagen, sondern eine ernsthafte Erkrankung, die Aufmerksamkeit verdient. Doch welche Strategien helfen, um Migräneanfälle im Arbeitsalltag besser zu managen? Und wie kann man für mehr Verständnis im Job sorgen, ohne sich schwach oder „nicht belastbar“ zu fühlen? Genau hier beginnt der Weg zu einem besseren Umgang mit Migräne im Berufsleben – für mehr Akzeptanz, Selbstfürsorge und eine gesündere Arbeitsweise.

Migräne verstehen – Mehr als nur Kopfschmerzen

Ein Migräneanfall ist kein normaler Kopfschmerz. Die Symptome sind vielfältig und können von Patientin zu Patientin unterschiedlich sein. Typisch sind:

  • Starke, pulsierende Kopfschmerzen – oft einseitig, aber nicht immer.
  • Übelkeit und Erbrechen, was die Einnahme von Medikamenten erschwert.
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit, die das Arbeiten unter künstlichem Licht oder an Bildschirmen schwer macht.
  • Aura-Symptome wie Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Sprachprobleme.
  • Extreme Erschöpfung nach einer Attacke, was den Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag erschwert.

Besonders problematisch: Viele Arbeitgeber sehen Migräne nicht als ernstzunehmende Krankheit, sondern als „Ausrede“ für häufige Fehlzeiten. Das führt dazu, dass viele Frauen trotz starker Schmerzen zur Arbeit gehen – was die Symptome oft noch verschlimmert.

Die unterschätzte Belastung im Job

Arbeitsumfeld als Trigger?

Das berufliche Umfeld kann Migräne nicht nur verstärken, sondern in manchen Fällen auch auslösen. Stress ist einer der häufigsten Auslöser von Migräneattacken, aber auch andere Faktoren am Arbeitsplatz können problematisch sein:

  • Lange Bildschirmzeiten – besonders bei flackerndem Licht oder schlechter Bildschirmeinstellung.
  • Neonbeleuchtung oder starke künstliche Lichtquellen, die die Lichtempfindlichkeit verstärken.
  • Druck, enge Deadlines und hoher Leistungsanspruch, die chronischen Stress begünstigen.
  • Unregelmäßige Pausen oder Mahlzeiten, die den Blutzuckerspiegel schwanken lassen – ein bekannter Migräne-Trigger.
  • Lärmpegel im Büro oder Großraumbüro, der als Dauerstress empfunden wird.

Was tun, wenn der Job die Migräne verstärkt?

Viele Frauen, die unter Migräne leiden, überlegen irgendwann, ob sie ihr Arbeitsumfeld verändern oder sogar einen Jobwechsel in Betracht ziehen sollten. Das ist kein leichter Schritt – aber in manchen Fällen notwendig.

Wann ein Berufswechsel sinnvoll sein kann:

  • Chronischer Stress und ständige Überforderung, die zu häufigen Anfällen führen.
  • Unverständnis von Vorgesetzten und Kollegen, das zusätzlichen Druck erzeugt.
  • Fehlende Flexibilität, z. B. keine Möglichkeit für Homeoffice oder individuelle Pausenzeiten.
  • Mangelnde Wertschätzung der eigenen Gesundheit, wenn die Krankheit nicht ernst genommen wird.

Alternative Wege: Selbstständigkeit oder flexible Arbeitsmodelle

Für einige Migränepatientinnen kann die Selbstständigkeit oder ein flexiblerer Job eine Lösung sein. Vorteile:

  • Individuelle Zeiteinteilung, um stressbedingte Anfälle zu vermeiden.
  • Bessere Kontrolle über die eigene Arbeitsumgebung (z. B. Bildschirmhelligkeit, Lichtquellen, Lärmschutz).
  • Pausen und Erholungsphasen nach eigenem Bedarf, um die Regeneration zu fördern.

Migräneattacken reduzieren – Vorbeugung im Alltag

Migräne ist zwar nicht heilbar, aber viele Frauen können ihre Attacken mit einer gezielten Lebensweise reduzieren.

1. Ernährung als Schutzschild

Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, Migräneanfälle zu vermeiden:

  • Regelmäßige Mahlzeiten: Ein konstanter Blutzuckerspiegel beugt Attacken vor.
  • Ausreichend Omega-3-Fettsäuren (Leinöl, Chiasamen, Walnüsse) wirken entzündungshemmend.
  • Magnesiumreiche Lebensmittel (Spinat, Bananen, Mandeln) entspannen die Muskulatur und können vorbeugend wirken.
  • Ausreichend Flüssigkeit, um Dehydrierung als Migräne-Trigger zu vermeiden.

2. Pflanzenkraft als Unterstützung

Einige pflanzliche Mittel haben sich als hilfreich erwiesen:

  • Pestwurz-Extrakt kann Migräneattacken vorbeugen.
  • Mutterkraut ist eine der bekanntesten natürlichen Hilfen gegen Migräne.
  • Ingwer wirkt gegen Übelkeit und kann Entzündungen reduzieren.

3. Schlaf und Erholung optimieren

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, auch am Wochenende.
  • Kein Blaulicht am Abend, um die Schlafqualität zu verbessern.
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen.

4. Bewegung und Stressabbau

Regelmäßige Bewegung hilft vielen Betroffenen:

  • Moderater Ausdauersport wie Schwimmen oder Walken wirkt stressreduzierend.
  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson kann helfen, Anfälle zu vermeiden.

Migräne im Job ernst nehmen und Alternativen prüfen

Migräne ist eine ernsthafte Erkrankung, die nicht einfach „wegzudenken“ ist. Frauen, die regelmäßig unter Migräne leiden, brauchen eine Arbeitsumgebung, die ihre Gesundheit unterstützt – sei es durch Verständnis im Job, flexible Arbeitsmodelle oder einen bewussten Lebensstil.

Wer immer wieder gegen Widerstände im Berufsalltag kämpft, sollte sich fragen: Tut mir mein Job langfristig gut? Manchmal ist ein beruflicher Neustart der Schlüssel zu einer besseren Lebensqualität – mit weniger Schmerz, mehr Selbstbestimmung und einer besseren Balance zwischen Gesundheit und Beruf. (Frau in Balance)

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